Bewertung eines Tesla Model Y mit Standardreichweite

Meine Bewertung eines Model Y mit Standardreichweite:

Positive Aspekte:

  • Gute Reichweite (im Sommer geschätzt mindestens 300 km auf der Autobahn, wenn man nicht zu schnell fährt).
  • Relativ niedriger Stromverbrauch.
  • Kurze Ladezeiten am Schnelllader.
  • Sehr kurze Lieferzeiten (weniger als 4 Wochen).
  • Einfache Bestellung: Außer der Anhängerkupplung gibt es keine Extras. Die Bestellung ist so einfach, dass sie problemlos per Smartphone erfolgen kann (keine umständliche Auswahl von Paketen und Extras). Man wählt eine von fünf Farben, die Motorisierung inklusive Batteriegröße und ob man eine Anhängerkupplung haben möchte. Zusätzlich könnte man noch den Autopiloten buchen, aber das macht wahrscheinlich wenig Sinn.
  • Kein Schlüssel oder ähnliches nötig: Das Auto kann mit dem Smartphone geöffnet und gestartet werden. Dies geschieht automatisch per Bluetooth. Nähert man sich dem Auto, wird es automatisch entriegelt und ist startbereit. Entfernt man sich vom Auto, wird es automatisch verriegelt. Das ist sehr komfortabel (ich möchte nie wieder einen Autoschlüssel sehen müssen). Alternativ kann man das Auto auch mit einer RFID-Karte öffnen und starten. Das Schöne daran ist, dass diese Karten relativ günstig nachgekauft werden können, falls mehrere FahrerInnen mit dem Auto fahren möchten und kein Smartphone verwenden können. Natürlich können auch mehrere Smartphones mit dem Auto gekoppelt werden.
  • Viel Platz im Innenraum.
  • Großer Kofferraum.
  • Vorne gibt es zwei USB-C-Ports zum Laden von Geräten, hinten zwei. Zusätzlich können vorne zwei Smartphones gleichzeitig drahtlos geladen werden. Im Handschuhfach gibt es ebenfalls einen USB-Port.
  • Großes Glasdach.
  • Angeblich ist das Auto vergleichsweise sicher.
  • Sitzheizung hinten und vorne.
  • Die Variante mit dem kleinsten Akku ist mit einem LFP-Akku ausgestattet. Diese sollen deutlich mehr Ladezyklen vertragen als andere Li-Ion-Akkus. Auch das Aufladen auf 100 % soll diesen Akkus weniger schaden. Außerdem soll die Brandgefahr geringer und die #Umweltfreundlichkeit besser sein.
  • Das Navigationssystem plant Ladestopps zuverlässig ein. Leider gibt es Stauinformationen nur gegen Zahlung von 9,99 € pro Monat.
  • Die Tesla-App kann ohne monatliche Gebühr benutzt werden.
  • Kontinuierliche Funktionsupdates des Bordcomputers (over the air).
  • Günstiges Laden am Supercharger möglich.
  • In Deutschland gibt es viele Supercharger.
  • Wenn der Blinker an ist, wird automatisch die jeweilige Seitenkamera auf dem Display angezeigt.
  • Hohe Anhängelast (für ein Elektroauto): 1600 kg bei gebremstem Anhänger.
  • Gute Lautsprecher.
  • Die vergünstigte Standardlackierung des Autos ist weiß mit leichtem „Glitzereffekt“ und sieht m. E. ganz gut aus.

Schwächen (die bekannten Datenschutz- und Datensparsamkeitsprobleme werden nicht näher betrachtet):

  • Bei Regen kann es bei geöffnetem Kofferraum von oben in den Kofferraum tropfen.
  • Insb. die hintere Kamera kann bei Regen von Tropfen bedeckt werden. Man kann dann nicht mehr viel erkennen. Auch Morgentau führt manchmal zu Sichtproblemen bei der Kamera.
  • Die optischen Parksensoren arbeiten im Vergleich zu Ultraschallsensoren sehr ungenau. Die Funktion ist eigentlich unbrauchbar, weil man sich nicht auf sie verlassen kann. Eine Rückfahrkamera und zwei Seitenkameras sorgen jedoch zumindest beim rückwärts Einparken für eine gute Übersicht, sofern sich keine Regentropfen auf den Kameras befinden.
  • Das Navigationssystem bietet keine Option, um Ladestationen zu finden, die für Anhänger geeignet sind, obwohl das Fahrzeug über einen Anhängermodus verfügt.
  • Die Abdeckung der Anhängerkupplung wirkt billig.
  • Der Stecker für den Anhänger lässt sich nur sehr schwer einstecken (den Stecker abzuschrauben und dann zu drehen, soll hier angeblich Abhilfe schaffen).
  • Der vordere Kofferraumdeckel wirkt so, als könne man ihn beim Zudrücken leicht eindellen.
  • Die Rekuperation lässt sich nicht abschalten, was beim Fahren mit gebremstem Anhänger nachteilig sein kann, weil man das Gespann somit nicht einfach ausrollen lassen kann. Man muss mit dem Gaspedal dafür sorgen, dass nicht rekuperiert wird, um zu verhindern, dass die Bremse des Anhängers greift. Ich war bei einer Fahrt mit Wohnwagen allerdings sehr positiv von der Reichweite überrascht.
  • Unsere Kindersitze lassen sich auf dem Sitz hinten rechts nur relativ schwer anschnallen (bei anderen Autos klappt das besser).
  • Der Ladestecker kann nur umständlich über die App oder das Display im Auto entriegelt werden.
  • Die Android-App für den Tesla ist relativ schlecht in das Android-Betriebssystem integriert. Die Funktionen des Autos sind nicht in das Menü für die Gerätesteuerung integrierbar. Immerhin gibt es ein Tesla-Widget. Dieses enthält allerdings auch keinen Button zum Entriegeln des Ladesteckers.
  • Der Plug and Charge Standard wird nicht unterstützt. Eine Tesla-spezifische Alternative wird jedoch am Supercharger von Tesla unterstützt.
  • Wenn mehrere Telefone dasselbe Auto in der App registriert haben, erhalten sie Benachrichtigungen (z. B. Ladestop) auch dann, wenn sie nicht mit dem Auto fahren bzw. gefahren sind. D. h. Benachrichtigungen gehen immer an alle Apps.
  • Fahrerprofile sind nur rudimentär umgesetzt. Beispielsweise wird der gewählte Radiosender nicht im Profil gespeichert.
  • Das Fahrwerk wirkt bei Unebenheiten etwas holprig. Das ist nicht wirklich schlimm, aber im Vergleich zu anderen Autos spürbar. Wer viel auf holprigen Dorfstraßen fährt, sollte das Model Y vielleicht nicht kaufen.
  • Es gibt leider keine Möglichkeit auf dem Bordcomputer eigene Software zu installieren. Immerhin gibt es einen Webbrowser.
  • Das automatische abblenden des Fernlichts funktioniert nicht immer zuverlässig.
  • Die Erkennung von Geschwindigkeitsbegrenzungen funktioniert relativ schlecht (z. B. im e-Golf funktioniert diese deutlich besser).
  • Bei eingeschaltetem Tempomat bremst das Auto manchmal auf freier Strecke ohne ersichtlichen Grund.
  • Der Quellcode der Tesla-Software ist nicht verfügbar. Somit kann man beispielsweise sehr schlecht nachvollziehen, welche Fehler ggf. enthalten sind und was genau passiert (z. B. die oben genannten grundlosen Bremsungen).
  • Original-Winterreifen können nur per Smartphone-App (also nicht im Browser) bestellt werden. Außerdem können sie nur mit Kreditkarte bezahlt werden, was zum Problem wird, wenn man keine hat oder die Zahlung abgelehnt wird. Das SEPA-Lastschriftverfahren ist zwar in der App konfigurierbar, konnte von mir aber nicht zum Bezahlen der Winterreifen verwendet werden.
  • Die Original-Alufelgen sind durch die Originalbereifung kaum vor Kratzern geschützt.
  • Die Scheibenwischerautomatik schaltet die Scheibenwischer meiner Meinung nach manchmal zu spät ein.
  • Wenn man mit dem Navigationssystem eine Adresse sucht, werden lange Straßennamen im Suchergebnis abgeschnitten. Dies ist unnötig, weil das Display nicht voll ausgenutzt wird.
  • Um den Akku optimal laden zu können, muss dieser vor dem Schnellladen aufgewärmt werden. Wenn man mit Navigation eine Ladestation anfährt, passiert dies automatisch, bevor man die Ladesäule erreicht. Leider gibt es keine Möglichkeit das Aufheizen manuell zu starten. Das Fahren ohne Navigation oder mit anderen Navigationsgeräten oder Programmen (z. B. „a better Routeplanner„) wird somit erschwert, wenn man längere Strecken fährt.
  • An der Kopfstütze befestigte Tablethalter für die hinteren Passagiere, die am Gestänge der Kopfstütze zu befestigen sind, können nicht verwendet werden.

Anmerkungen:

Fazit:

Wenn man von den Datenschutzproblemen absieht, sind die aufgeführten Schwächen nicht sehr gravierend, insb. wenn man den Tesla mit anderen Autos vergleicht.

Ob es (moralisch) vertretbar ist, Elon Musk ein Auto abzukaufen, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Allerdings war es zumindest bis zum dritten Quartal 2023 schwierig ein lieferbares mit ähnlich hoher Anhängelast zu finden, insb. wenn man nicht noch eine ganze Ecke mehr Geld drauflegen wollte (bzw. konnte).

Erfahrungen mit E-Autos

Meine Erfahrungen mit E-Autos:

  • Wenn man zu Hause oder am Arbeitsplatz keine Lademöglichkeit hat, wird es schwierig. Einerseits ist der Strom an öffentlichen Ladestationen relativ teuer, andererseits darf man an den meisten normalen Ladestationen nicht länger als 4 Stunden parken.
  • Ideal ist es, wenn man eine PV-Anlage hat und tagsüber laden kann, da PV-Strom relativ günstig ist. Um das Laden von PV-Strom in die Nacht zu verlagern, bräuchte man einen sehr großen Hausakku. Diese Akkus sind allerdings sehr teuer. Daher werden die wenigsten Haushalte einen Akku haben, der der Kapazität des Akkus im Auto entspricht. Außerdem sollte man die Möglichkeit zum Überschussladen haben (d. h. es wird möglichst nur PV-Strom ins Auto geladen, der sonst nicht verbraucht wird).
  • Eine Wallbox ist nicht unbedingt nötig. Wenn man mit 3 kW an der normalen Steckdose laden kann, bekommt man in 12 Stunden ungefähr 200 km Reichweite in den Akku des Autos. Daher ist es für mich auch nicht so wichtig, ob das Auto an normalen Wallboxen mit 11 oder 22 kW lädt.
  • Man will mit dem E-Auto in der Regel weniger als 130km/h fahren, weil die Reichweite bei hohen Geschwindigkeiten sehr stark abnimmt.
  • Von der angegeben Reichweite des Herstellers würde ich für Autobahnfahrten im Sommer mit 130km/h ca. 20 % bis 25 % abziehen, um auf die realistische Reichweite zu kommen. Im Winter ist die Reichweite noch etwas geringer, weil elektrisch geheizt werden muss und die Akkukapazität bei niedrigen Temperaturen geringer sein soll.
  • Weil ich nicht oft lange Strecken fahre, reicht für mich im Alltag eine Reichweite von 100 km locker aus. Für längere Fahrten reicht mir eine Autobahnreichweite von ca. 300 km aus, sofern das Auto in ca. 30 Minuten wieder auf 80 % Akkukapazität geladen werden kann. Hohe Ladegeschwindigkeiten am Schnellader sind für mich wichtiger als Reichweite, weil Pausen die Fahrt auch entspannter machen. (Wenn mehrere Leute im Auto fahren, muss sowieso immer jemand aufs Klo 😉).
  • Die maximale Ladeleistung am Schnelllader wird bei allen mir bekannten E-Autos beim Ladevorgang nur kurz erreicht und fällt dann ab. Daher ist dieser Wert nicht so wichtig. Wichtiger ist die Ladezeit von 10 % auf 80 % Akkukapazitat. Die Ladeleistung bricht nach Erreichen von ca. 80 % meist stark ein.
  • Die Zeit, die man beispielsweise bei der jährlichen Urlaubsfahrt an der Ladesäule verbringt, holt man durch die eingesparten Tankstellenfahrten im Rest des Jahres leicht wieder rein (sofern man zu Hause laden kann).
  • Anhängerfahrten schränken die Reichweite stark ein.
  • Es gibt keine Möglichkeit Ladestationen zu finden, bei denen man einen Anhänger nicht abhängen muss, um laden zu können. Die meisten Ladeplätze sind normale Parkplätze und somit nicht mit angehängtem Anhänger nutzbar.
  • Das Fahren mit einem E-Auto macht deutlich mehr Spaß als mit einem : fahren ruhiger und leiser. Dank der Rekuperation muss nur selten aktiv gebremst werden. Stattdessen nimmt man meist nur den Fuß vom Gaspedal, wenn man langsamer werden will. Außerdem fühlt sich das Fahren mit einem Elektroauto sportlicher an, weil das relativ hohe Drehmoment schon bei niedrigen Drehzahlen zur Verfügung steht und das Gaspedal ohne Verzögerung reagiert.